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Biographie

1935
Am 10. Februar Geburt von Konrad Peter Cornelius Klapheck in Düsseldorf.
Der Vater Richard Klapheck (*1883) war ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bis zu seiner Entlassung durch die Nazis 1934.
Die Mutter Anna Klapheck, geb. Strümpell (*1899) lehrt nach 1945 am selben Institut.

1939
Tod des Vaters.

1941
Eintritt in die Volksschule.

1942
Erste Bombenangriffe auf Düsseldorf. Die Mutter weicht mit dem Sohn nach Leipzig aus.

1943
Am 4. Dezember Bombenangriff auf Leipzig. Die großelterliche Villa geht in Flammen auf. Konrad empfindet den roten Himmel der brennenden Stadt als großartiges Spektakel. Bis 1945 Aufenthalt im Erzgebirge (Sachsen).

1945
Der Einmarsch der Roten Armee im Mai wird in einem Versteck im Wald erlebt. Später kommt es zu freundschaftlichen Begegnungen mit sowjetischen Soldaten. Teilnahme an einem privaten Russischkurs. Ende des Jahres Rückkehr nach Düsseldorf.

1946
Eintritt in das Städtische Humboldt-Gymnasium. Der Kunsterzieher Kurt Prechtl fördert den Knaben auch außerhalb des Unterrichts. Er stellt ihm die Aufgabe, eine Schraube in vielfacher Vergrößerung zu zeichnen.
Erste Begegnung mit Werken von Matisse, Braque, Picasso auf der Ausstellung Meisterwerke der französischen Malerei in Düsseldorf. Der an antiker Kunst und Albrecht Dürer orientierte Knabe reagiert erst verwirrt und später begeistert.
Große Lesephase: Zunächst die Märchen der Weltliteratur, die Sagen des klassischen Altertums, germanische Heldensagen und deutsche Volksbücher, dann die Bibel, die er in Hunderten von Zeichnungen zu illustrieren beginnt. In der Literatur des 19. Jahrhunderts fesseln ihn besonders Beschreibungen: bei Gogol ein Hotelzimmer, bei Melville eine Harpune und bei Gottfried Keller ein Kramladen.
Entdeckung der modernen Literatur: 1949 Franz Kafka, in den Originalausgaben des Schocken Verlages, 1951 James Joyce, 1954 Marcel Proust, 1955 Lautréamont.

1950
Erste Begegnung mit authentischer Jazzmusik in einem Konzert von Duke Ellington in Düsseldorf. Konrad beginnt Schallplatten zu sammeln: Count Basie, Lester Young, Coleman Hawkins, Charlie Christian, Charlie Parker, Thelonious Monk.

1951
Dreiwöchiger Aufenthalt in London bei einem englischen Freund. Konrad besucht die Tate Gallery, die National Gallery, das British Museum und eine Aufführung von Kiss me, Kate (Cole Porter). Bis 1954 Mitglied in verschiedenen Sportvereinen: Boxen, Leichtathletik.

1952
Italienreise mit der Mutter: über Verona, Venedig, Ravenna, Florenz nach Rom. Besuch einer Tanzschule, wo er seiner späteren Frau, Lilo Lang begegnet.

1954
Humanistisches Abitur (Latein und Griechisch). Reise nach Paris. Klapheck besucht unangemeldet Max Ernst, der ihm ein Exemplar von Sept Microbes mit Widmung schenkt. Eintritt in die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo er zunächst ein Jahr lang die Zeichenklasse von Bruno Goller besucht. Tägliches Aktzeichnen nach männlichen und weiblichen Modellen. Er fertigt zwei Serien Zeichnungen an, eine im Stil von Matisse, die seinem Lehrer gefällt, und eine für sich in der Nachahmung von Ingres.

1955
Erstes Bild mit Schreibmaschine. Bruno Goller ermutigt ihn zur Objektmalerei und tadelt seine Flirts mit Abstraktion und Tachismus.

1956
Bis März 1957 sechsmonatiger Aufenthalt in Paris, zunächst gemeinsam mit Lilo Lang in der Rue des Saints-Pères, später allein in Versailles. Die École nationale supérieure des beaux-arts lehnt einen Aufnahmeantrag ab. Beginn der Freundschaft mit dem Maler Christian d’Orgeix(*1927), der ihm Originalwerke von Marcel Duchamp, die Rotoreliefs und La Boîte verte zeigt und die Romane von Raymond Roussel leiht. Er lernt Edouard Jaguer, den Herausgeber der Zeitschrift Phases kennen, an der er später mitarbeiten wird.

1957
Herausgabe eines kleinen Bändchens mit kleinformatigen Zeichnungen, die unter dem Einfluss von Max Ernst mit den Mitteln der Klecksographie und Décalcomanie (Abklatschtechnik) entstanden sind (Eremitenpresse, Stierstadt i. Ts.). Er lernt Yves Klein (1928–1962) in dessen erster Ausstellung in Deutschland in der Galerie Schmela in Düsseldorf, kennen. Später übersetzt er einige Schriften für ihn ins Deutsche.

1959
Der Kunsthändler Georges Staempfli aus New York besucht Klapheck in seinem Atelier und kauft ihm für 1.000 $ sechs Bilder ab. Sie werden 1960 mit Werken von Yves Klein, Fontana und Soto in der Ausstellung Paris Obsessions in New York gezeigt. Erste Einzelausstellung in der Galerie Schmela, Düsseldorf. Der Verkauf beschränkt sich auf zwei Bilder, die an das Sammlerpaar Willy und Fänn Schniewind gehen. Die Kritik der Lokalpresse reagiert überwiegend negativ.

1960
Heirat mit Lilo Lang. Gründung eines eigenen Hausstandes. Klapheck besucht in Worpswede den Maler Richard Oelze (1900–1980) und erwirbt eine Zeichnung, den Grundstock einer in den folgenden Jahren zusammengetragenen kleinen Oelze-Sammlung. Klapheck erhält die Förderprämie zum großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Später wird er alle Kunstpreise und andere Ehrungen ablehnen. In seiner ersten Einzelausstellung im Ausland werden 24 Bilder in der Galleria Arturo Schwarz in Mailand gezeigt. Zu den ersten Käufern gehört der Maler Enrico Baj (1924-2003). Bei der Eröffnung Begegnung mit dem surrealistischen Dichter E.L.T. Mesens (1903–1971) und dem Maler Sergio Dangelo.

1961
Der Kunstkritiker José Pierre führt Klapheck in den Pariser Surrealisten-Kreis ein. André Breton (1896–1966) ermuntert ihn, an den allabendlichen Treffen im Café La Promenade de Vénus teilzunehmen.

1962
Der Kunsthändler Leo Castelli aus New York besucht den Künstler in seinem Atelier. Klapheck erfährt von der Pop Art, einer neuen Kunstrichtung in den USA, die Parallelen zu seinem Werk aufweist. Castelli erwirbt vier Bilder. Der Kunsthändler Rudolf Zwirner, zunächst Essen, später Köln, vertritt Klapheck in Deutschland und stellt ihn in Einzelausstellungen mehrfach aus.
Erster Museumsankauf durch das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. Klapheck lernt den belgischen Surrealisten René Magritte (1898–1967) in einer Ausstellung in Knokke-le-Zoute kennen. Bei einem Besuch in Brüssel kritisiert Magritte die Steinchenhintergründe einiger mitgebrachter Bilder: "In Ihren Themen sind Sie authentisch. Diese pittoresken Hinzufügungen erscheinen mir überflüssig." Der Künstler schenkt ihm eine Zeichnung.

Geburt der Tochter Elisa.

1965
Erste Ausstellung in Paris in der Galerie Ileana Sonnabend. Der Katalog enthält eine Einführung von André Breton. Teilnahme an der letzten großen Ausstellung des Surrealismus, L’Écart absolu, in der Galerie L’Œil, Paris.

Geburt des Sohnes David.

1966
Erste Retrospektive, die Wieland Schmied (1929-2014) für die Kestner-Gesellschaft Hannover und für das Von-der-Heydt-Museum Wuppertal zusammenstellt. Positive Reaktionen in der Presse.

1967
Der WDR produziert einen 30-min-S/W-Film über Klapheck (Redaktion Wibke von Bonin (*1936), Regisseur Nathan Jariv).

1969
Dreiwöchiger Aufenthalt mit der Familie in New York anlässlich einer Ausstellung mit 35 Bildern in der Sidney Janis Gallery. Peter und Irene Ludwig kaufen zwei Bilder, den Grundstein einer später auf zehn Arbeiten anwachsenden Bildergruppe. Weitere Exponate gelangen nach New York in die Sammlung Meshulam Riklis.

1970
In den USA und Europa entsteht eine neue Richtung: der Hyperrealismus oder Photorealismus, der Klaphecks Aktualität unterstreicht. Andererseits scheint die Virtuosität einiger seiner Vertreter die auf Einfachheit zielende Bildwelt des Künstlers zu übertrumpfen. Klapheck nimmt an einigen Ausstellungen teil: Ekstrem Realism im Louisiana Museum in Humlebæk (1973) und Hyperréalistes américains - Réalistes européens im Centre Pompidou in Paris (1974).

1973
Werner Schmalenbach, der Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen kauft für 80.000 DM das Bild Der Krieg (1965, 145 x 200 cm).

1974
Retrospektive im Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam, anschließend in Brüssel und Düsseldorf.

1976
Beginn intensiver Beschäftigung mit der Radierung im Atelier Hartmut Frielinghaus, Hamburg. Klapheck radiert 26 Platten, von denen Auflagen zum Teil in mehreren Zuständen gedruckt werden, die Rudolf Zwirner 1977 in seiner Galerie in Köln zeigt.
Erstmalig werden Vorzeichnungen im Maßstab 1:1 ausgestellt, die der Künstler seit 1973 regelmäßig für seine Bilder anfertigt.

1979
Durch die Stilrichtungen Wilde Malerei und Graffiti-Kunst wird das Interesse des Publikums in neue Bahnen gelenkt. Klapheck sieht sich in der Position des Künstlers, der nicht mehr aktuell und noch nicht klassisch ist.
Übernahme einer Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Leitung einer Klasse für Freie Malerei.

1980
Ausstellung in der Galerie Aimé Maeght, Paris, mit 25 Arbeiten.

1981
Das erste deutsche Fernsehprogramm zeigt einen 45 Minuten langen Film, den Eila Hershon und Roberto Guerra (Redaktion Wibke von Bonin) in über zweijähriger Arbeit gemeinsam mit dem Künstler gedreht haben.

1984
Die Lufthansa schenkt dem Busch-Reisinger Museum, Cambridge, Mass., die Vorzeichnung zu Heldenlied (224 x 281 cm).

1985
Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle, die anschließend in der Kunsthalle Tübingen und in der Staatsgalerie Moderne Kunst, München gezeigt wird; Werner Hofmann gibt einen umfangreichen Buchkatalog im Prestel Verlag heraus.
Auf Einladung der Redakteurin Wibke von Bonin schreibt Klapheck den Kommentar zu dem Bild Der Krieg für die TV-Serie 100 Meisterwerke.

1986
Tod der Mutter, Anna Klapheck, geb. Strümpell.

1987
Tod der Ehefrau, Lilo Klapheck, bei einem Brand des Ferienhauses in den Niederlanden. Klapheck beginnt Hebräisch zu lernen.

1988
Begegnung mit der Kostümbildnerin Wanda Richter-Forgách, die ihn zu wichtigen Bildern anregt (Die charmante Chaotin, Bekenntnis, Die Welt des Mannes II) und ihm rät, auf Reisen ein Skizzenbuch zu benutzen.

1990
Begegnung mit dem aus Berlin stammenden, in Jerusalem lebenden Komponisten Josef Tal (1910-2008) und intensive Beschäftigung mit seiner Musik. Werner Hofmann erwirbt anlässlich seines Abschieds von der Hamburger Kunsthalle das Bild Bekenntnis (1989).

1992
Erneutes Naturstudium. Regelmäßiges Aktzeichnen an der Kunstakademie in Düsseldorf und in der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Klapheck beginnt seine Freunde, Kollegen und andere Vertreter des Kunstlebens in ganzfigurigen Portraitzeichnungen festzuhalten.

1994
Dreiwöchige Reise in die Volksrepublik China aus Anlass einer Ausstellung im Central Institute of Fine Arts in Peking und zweier Vorträge Die Maschine und ich und Krieg und Frieden - Deutsche Kunst nach 1945. Vorbereitungen zu seinem bisher größten Bild (312 x 720 cm) Im Zeitalter der Gewalt (Bagger und LKW). Die Vorzeichnung im Maßstab 1:3 beansprucht 249 Arbeitstage. Die Nationalgalerie Berlin erwirbt mit einer Spende ihres Freundeskreises das Bild Glanz und Elend der Reformen (1971–1973).

1995
Ausstellung in der Galerie Dieter Brusberg in Berlin zum 60. Geburtstag des Künstlers.

1997
Die Galerie Lelong zeigt in Paris und Zürich die Arbeiten der letzten sieben Jahre, darunter Im Zeitalter der Gewalt.
Klapheck beendet nach 42 Jahren seine dem Objekt und der Maschine gewidmete Reihe und beginnt eine neue Bilderserie mit Akten in Innenräumen und Landschaften. Er lässt sich durch erotische Photographien des 19. und 20. Jahrhunderts anregen. Jedes Bild wird durch zahlreiche Aktstudien nach Modellen der Akademie und komplizierte perspektivische Konstruktionszeichnungen vorbereitet, was die Produktion auf ein bis zwei Bilder pro Jahr verlangsamt. Er verzichtet auf 'literarische' Titel und benennt seine Bilder nach den dargestellten Örtlichkeiten.

2002
Jean-Hubert Martin, Direktor des Museums Kunstpalast, Düsseldorf, stellt die in zehn Jahren in gemeinsamer Arbeit mit Wanda Richter-Forgách entstandenen Porträtzeichnungen von Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene aus.
Im Verlag Schirmer/Mosel erscheint aus diesem Anlass das Buch Porträtzeichnungen 1992-2002 mit Kommentaren von Klapheck und einem Nachwort von Christoph Danelzik-Brüggemann.
Arturo Schwarz widmet Konrad Klapheck ein Buch mit Beiträgen von André Breton, Annie Le Brun und Werner Schmalenbach, das im Verlag Gabrius in Mailand erscheint.

2003
Das wiedereröffnete Rheinische Landesmuseum in Bonn zeigt die Ausstellung Maschinen und Menschen mit Arbeiten des Künstlers von 1955 bis 2003.

2004
Swing, Brother, Swing – Beginn einer neuen Bildserie zum Thema Jazz. Zunächst isolierte Musiker, dann Solisten in der Umgebung ihrer Begleiter, zuletzt die Darstellung ganzer Bigbands.
Leitmotive: Die Einsamkeit des Solisten in der Konfrontation mit einem indifferenten Publikum. Die Begegnung verschiedener Musikkulturen: Benny Goodman – Charlie Christian (Klezmer Blues), Lee KonitzStan Kenton (Lover Man).

2009
Klapheck erhält den Auftrag, das offizielle Plakat für das Tennisturnier "Roland Garros" (French Open) zu gestalten.

2013
Klapheck Bilder und Zeichnungen – Retrospektive im Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Katalog mit Texten von Beat Wismer, Kay Heymer, Gunda Luyken und K.K. (Hirmer Verlag, München).
Dreams on Paper – Ausstellung (gemeinsam mit Wanda Richter-Forgách) von surrealistischen Zeichnungen und Aquarellen in der Duet Art Gallery, Varese (Italien).

Vater
Richard Klapheck, Vater des Künstlers, 1939

KK Mutter
Anna Klapheck, Mutter des Künstlers, 1926

KK 4 Jahre
Konrad mit 4 Jahren, 1939

KK 13 Jahre
Konrad mit 13 Jahren, 1948

Bruno Goller
Bruno Goller, der Lehrer des Künstlers

KK Modell SM
K.K. mit dem Modell seines ersten Schreibmaschinenbildes

Orgeix
Christian d‘Orgeix (Zeichnung K.K.)

Galleria Schwarz
Ausstellungseröffnung in der Galleria Schwarz, Mailand 1960. Dritter von links Arturo Schwarz, rechts (sitzend) Lilo Klapheck, der Maler Tancredi und K.K.

Zwirner
Rudolf Zwirner (Zeichnung K.K., New York, 2000)

Sonnabend
Ileana Sonnabend (Zeichnung K.K.)

Familie
Lilo, Elisa und David Klapheck in Venedig, 1975

Schmalenbach
Werner Schmalenbach (Zeichnung K.K.)

Bei der Arbeit
K.K. bei der Arbeit an dem Bild Autobiographie, 1983 (Photo: Peter Sevriens)

Hofmann
Werner Hofmann (Zeichnung K.K.)

KK mit Wanda
K.K. und Wanda Richter-Forgách, 1988

KK Zeitalter Gewalt
K.K. vor seinem Bild Im Zeitalter der Gewalt

Weihnachtszimmer
Vorbereitungen zum Bild Das Weihnachtszimmer, 1999, v.l.n.r. Wanda Richter-Forgách, Studenten der Kunstakademie Düsseldorf, K.K.
(Photo: Wolfgang Kühn)

Swing Brother
Swing, Brother, Swing I, 2006

Round About
Round About Midnight, 2006

Publikum
Das Publikum, 2008

Roland-Garros
Plakat für das Tennisturnier Roland Garros

Looking Ahead
K.K. bei der Arbeit an der Vorzeichnung zu Looking Ahead, 2012 (Photo: Willi Kemp)

Kunstpalast
Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, 2013

Portrait
K.K. vor der Vorzeichnung zu Looking Ahead
(Photo: Willi Kemp)